MBSR Info

 Was ist MBSR?

MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction und bedeutet so viel wie „Stressmanagement durch Achtsamkeitstraining“. Durch verschiedene theoretische und praktische Übungen, wie Körperwahrnehmungen, Meditationen und Reflexionsfragen lernen Sie den Augenblick wieder bewusster zu erleben, den Körper zu spüren und mit Emotionen zu sein ohne von Ihnen dominiert zu werden.

Entwickelt wurde dieses effektive Anti-Stress-Konzept vor fast 40 Jahren von Dr. Jon Kabat-Zinn an der Universitätsklinik in Massachussetts (USA). Kabat-Zinn, Gründer der Stress Reduction Clinic und emeritierter Molekularbiologe, ist es als Erstem gelungen, die Achtsamkeitspraxis systematisch in die medizinische Betreuung von Patienten zu integrieren.

Das Trainingsprogramm erstreckt sich über 8 Wochen und wird sowohl als ergänzende Maßnahme bei körperlichen und psychischen Erkrankungen als auch in der Gesundheitsförderung und Prävention eingesetzt. Über 300 Kliniken und Gesundheitszentren in den USA und Europa führen mittlerweile MBSR erfolgreich durch. Achtsamkeit wird in diesem Programm völlig losgelöst von jeglichem religiösen oder ideologischen Kontext gelehrt.

Für wen ist MBSR geeignet?

Wir alle streben nach einem glücklichen und zufriedenen Leben. Doch Glück ist kein Zustand, den wir einmal erreichen und dann Zeit unseres Lebens besitzen. Im Gegenteil, das Glück kann ein recht flüchtiger Besucher sein. Wir alle haben diese Erfahrung bereits gemacht. Unerwünschtes passiert, Ereignisse die wir uns wünschen treten nicht ein. Wir erleben Frustration, Wut, Trauer und Enttäuschung.

In der Regel richtet sich unsere Problemlösung dann nach außen. Wir verwenden viel Zeit und Energie darauf unsere Umwelt zu "lenken". Unangenehmes versuchen wir zu vermeiden und angenehme Erlebnisse möglichst oft und lange zu erleben. Diese Taktik kostet viel Energie und wird zwangsläufig zu weiteren Enttäuschungen führen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin mit unseren Bemühungen dort anzusetzen wo wir wirklich nachhaltig etwas verändern können. Bei uns selbst! Durch gezieltes Training des Geistes lässt sich die Fähigkeit stärken durch die Höhen und Tiefen des Lebens mit Gelassenheit zu schreiten und glücklich zu leben.

Achtsamkeit bedeutet, dem Erleben im gegenwärtigen Moment neugierig, nicht-wertend, freundlich und liebevoll zu begegnen. Sie ist eine Geisteshaltung, die durch MBSR gestärkt wird.

Das Achtsamkeitstraining richtet sich an alle Menschen, die

  • Wege suchen, mit Belastungen im Beruf und Alltag besser umzugehen
  • Stress und Hektik entgegenwirken und ihrem Leben eine neue Qualität geben wollen
  • an körperlicher, geistiger Erschöpfung, Schmerzen oder anderen Erkrankungen leiden
  • sich häufig in Grübeleien oder auch leidvollen Erinnerungen verstricken
  • aufgrund der vielfältigen Anforderungen spüren, dass etwas Wichtiges verloren geht: der Kontakt zu sich selbst – zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen.

 Wie funktioniert MBSR?

Innehalten und wieder zu sich kommen. Dem Strom der Gedanken und der Gefühle unsere Aufmerksamkeit geben, ohne Druck und ohne Ziel. Neurowissenschaftler haben inzwischen belegt: Die Kunst des wertfreien Beobachtens, in der Ruhe zu verweilen, erzeugt in unserem Gehirn Strukturen für mehr Gelassenheit, Lebensfreude und Wohlbefinden. Unsere Lebensqualität steigt.

In diversen Forschungsprojekten konnte gezeigt werden, dass Achtsamkeitsmeditation unter Anderem zu einer Verbesserung der Emotionsregulation führt. Dies ist eine wichtige Variable beim Entstehen von psychischen Erkrankungen, so dass eine gute Emotionsregulation präventiv wirkt und somit die Resilienz gegenüber Stressanfälligkeit erhöht.

Das Achtsamkeitstraining hat positive Wirkungen auf eine Reihe von physiologischen Faktoren. So wurde z.B. eine verbesserte Funktion des Immunsystems nachgewiesen, reduzierte Blutdruckwerte, reduzierte Kortisollevel, und erhöhte Telomeraseaktivität (ein Enzym, das für die Jungerhaltung der Zellen wichtig ist).

Die Forschung hat zudem gezeigt, dass Achtsamkeitsmeditation zu einer Anzahl positiver Effekte bei psychiatrischen, psychosomatischen und stress-bezogenen Erkrankungen führt. Achtsamkeitsmeditation wird deshalb zunehmend und mit großem Erfolg in psychotherapeutische Programme integriert.

Die Forschungsarbeiten haben den positiven Effekt von Achtsamkeitsmeditation bei folgenden psychischen Erkrankungen gezeigt:

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Substanzabhängigkeit
  • Essstörungen
  • Erste Pilotstudien zeigen zudem positive Effekte bei bipolaren Erkrankungen und bei Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
  • Es wurde außerdem eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität bei verschiedenen körperlichen Erkrankungen gezeigt, z.B. bei chronischen Schmerzerkrankungen und Krebserkrankungen.

 Vertiefende Forschungsergebnisse

Einen umfassenden Überblick über die aktuelle Forschung zum Thema Achtsamkeit finden Sie auf den Seiten der American Mindfulness Research Association (AMRA). Eine Meta-Analyse von Susanne Hempel et. al. stellt die Anwendung und Wirkung aus 81 Überblicksstudien zusammengefasst dar. Die größte Sammlung an Informationen und Hintergründe aus der Welt der Wissenschaft findet man auf den Seiten der Universität von Massachusetts unter: www.umassmed.edu/cfm/index.aspx

Für weitere Informationen und bei Fragen zu MBSR kontaktieren Sie mich gerne!

Peter Herzog